Es war einmal…

So beginnen fast alle Märchen. Was ich Euch nun erzählen werde, ist kein Märchen, sondern die wahre Geschichte eines der eindrücklichsten Erlebnisses in meinem Berufsleben.

Es war einmal ein grosser stattlicher Mann von adeliger Abstammung mit dem Namen Fritz von Schulthess. Er lebte mit seiner Frau Gemahlin in einem der schönsten Schlösser der Zentralschweiz, im Schloss St. Andreas in Cham. Gelegen inmitten einer prächtigen Parkanlage, die sich in den Sommer- monaten in ein Meer von Blumen und Farben verwandelt und sich bis zu den Gestaden des Zugersees erstreckt. In den Garagen des Schlosses standen immer drei VOLVO’s. Einen benützte Fritz von Schulthess selber, der zweite war für seine Frau und eventuelle Gäste reserviert und der dritte, ein Kombiwagen, wurde benötigt, wollte man mit standesgemässem Gepäck ein paar Tage ins traumhaft schön gelegene Ferienhaus oberhalb von Silvaplana verreisen. Dieser wurde ausschliesslich von Peter Haas, Chauffeur, Gärtner und Mädchen für alles, gefahren. Dank ihm konnten meine Frau und ich einmal all die wunderbaren Räumlichkeiten des Schlosses besichtigen, als die Herrschaften im Ausland weilten. Fritz von Schulthess war von beneidenswerter Vitalität bis ins hohe Alter, den letzten neuen VOLVO verkaufte ich ihm kurz vor seinem 90. Geburtstag im Jahre 1992. Ein weitgereister, weltgewandter Mann mit viel Ausstrahlung und Charisma, er sprach neben Deutsch fliessend Englisch, Französisch und Spanisch und hatte einen beeindruckenden Bekanntenkreis, der sich fast rund um den Erdball erstreckte. Zu diesem weltweiten Freundes und Bekanntenkreis zählte auch Singyle Wangchuk, der König des Himalajastaates Bhutan. Hier beginnt eine Geschichte, die sich fast wie ein Märchen anhört, jedoch einer der markantesten Eindrücke in meinem Berufsleben war und immer noch ist.

Das Königreich Bhutan

Das kleine Land etwa von der Grösse der Schweiz, eingeklemmt zwischen den Grossstaaten China und Indien im Himalaja, zählt ca. 750000 Einwohner und liegt auf einer durchschnittlichen Meereshöhe von fast 4000 Meter, dadurch sind nur etwa 10% des Landes landwirtschaftlich nutzbar. Die Staatsform war eine absolute Monarchie und König Wangchuk Alleinherrscher über sein Volk. Alle paar Jahre kam er mit einem etwa 20-köpfigen Gefolge ins Schloss St. Andreas auf Besuch. Von hier aus unternahm er Shopping-Tours, meistens nach London, um sich mit viel notwendigem oder überflüssigem zivilisatorischen Dingen einzudecken und Queen Elisabeth einen Besuch abzustatten. Fritz von Schulthess andererseits reiste auch regelmässig ins fernöstliche Königreich.

Im Frühling 1971 verkaufte ich Fritz von Schulthess einen eleganten dunkelgrünen VOLVO 164 E mit hellbeigem Lederpolster. Mit seinem 3-Liter-6-Zylinder-Einspritzmotor und 172 PS ein Wagen der Oberklasse. Zwei Monate später weilte der exotische König auf Besuch im Schloss St. Andreas. Der fernöstliche Monarch verliebte sich spontan in diesen Wagen und verspürte den Wunsch, das gleiche Auto auch zu besitzen.

Fritz von Schulthess rief mich an und eine Stunde später stand er mit König Wangchuk und einer etwa fünfköpfigen Dienerschaft auf dem Vorplatz unserer Werkstatt. Wunder- schön und farbenprächtig gekleidete Menschen, ein wahrhaft einmaliges, exotisches Bild, das man mit einem Fotoapparat hätte festhalten müssen. Doch es wäre vielleicht für den König sogar eine Beleidigung gewesen. Mit Fotografieren kann man Menschen verärgern, beleidigen oder sogar brüskieren, wenn man nicht subtil damit umgeht und vorher ihr Einverständnis einholt. Das haben wir in den Ländern Südamerikas oder Afrikas immer wieder erfahren. Für fernöstliche Begriffe begrüsste ich den Monarchen wahrscheinlich eher unhöflich, ohne dreifache Verbeugung und andere Formen, wie sie in diesen Ländern üblich sind.

Singyle Wangchuk, ein sehr sympathischer, freundlicher und gebildeter Mann aus der in Bhutan dominierenden Volksgruppe der Drukpas, erinnerte mich stark an den Dalai Lama. Etwa eine Stunde unterhielten wir uns in Englischer Sprache, sein Interesse galt vor allem auch der modern eingerichteten Werkstatt, die ich ihm bis ins Detail erklären musste, wobei Fritz von Schulthess bei schwierigen Fachausdrücken als Dolmetscher fungierte. Eine Stunde, die mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. Er bestellte den gleichen Wagen wie Herr von Schulthess, gab mir eine königliche Visitenkarte mit Telefon und Fax-Nummer seines Finanzministers, mit dem ich alles weitere zu regeln hatte und verschwand mitsamt seinem Hofstaat wie eine Fata Morgana von unserem Platz.

Mit einem Begleitschreiben und der Kopie der königlichen Visitenkarte ging die Bestellung zum Importeur. Verkaufsleiter Winterhalder nahm mit dem Herstellerwerk in Schweden Kontakt auf, damit die Bestellung auch die nötige Beachtung finden sollte. Und sie fand sie, aus Prestigegründen übernahm VOLVO die Transportkosten, welche den Preis des Wagens bei weitem überstiegen. Etwa zwei Monate später wurde der Wagen in Göteborg verschifft, ging auf dem Seeweg nach Howra bei Calcutta in Indien und von dort mit der Bahn 800 km nordwärts nach Kathmandu, der Hauptstadt von Nepal. Bhutan war damals noch ein von der Aussenwelt total isoliertes Land ohne Strassen oder Flugverbindungen. Die einzige Möglichkeit ins Land zu kommen waren zwei grosse russische Helikopter, die im Besitz des Königs waren. Einer von beiden hievte den Wagen über die Berge des Himalaja nach Thimbu, der 3000 Einwohner zählenden Residenzstadt des Monarchen. Die Ankunft wurde mit einem grossen Volksfest gefeiert. Ein halbes Jahr war seit der Bestellung vergangen, während dieser Zeit liess der König von einer indischen Firma 20 km Asphaltstrasse bauen, damit sich das allererste Auto im Land auch bewegen konnte. Zudem delegierte er zwei seiner Diener zur Ausbildung als Chauffeure und Mechaniker nach Indien.

Die Rechnung in US-Dollar wurde vom Finanzminister prompt bezahlt und damit war der Fall „Bhutan“ abgeschlossen. Doch etwa ein Jahr später kam ein Fax aus dem fernöstlichen Königreich, die Bestellung einer ganzen Reihe von Ersatzteilen und Aggregaten. Als die Ersatzteile eintrafen, setzte ich mich wegen des Transportes mit Herrn von Schulthess in Verbindung. Er wusste bereits Bescheid und eröffnet mir, der König erwarte, dass ich persönlich damit nach Bhutan kommen werde. Damit hatte ich natürlich niemals gerechnet. Eine Reise in dieses geheimnisvolle Land, das sich über Jahrhunderte unbehelligt von der Aussenwelt seine religiösen und magischen Praktiken in Buddhas Heilslehre bewahrt hat, das einzige Land, das den Urzustand des tibetanischen Buddhismus mit seinen Legenden und Fabeln, den schamanischen Kulten und astrologischen Ritualen, seinen Dämonen und Heiligen noch in reinster Form praktizierte, seit Tibet von China und Sikkim von Indien annektiert worden ist, wäre für mich mehr als verlockend, es wäre die Erfüllung eines Traumes gewesen. Ich hatte mich in der Zwischenzeit intensiv mit diesem exotischen Land befasst.

Doch Fritz von Schulthess, er war schon einigemale Gast des Königs Wangchuk, klärte mich auch darüber auf, dass Gastfreundschaft etwas Heiliges in diesem Land ist und diese Reise eventuell Monate dauern kann. Das Leben richtet sich dort nach anderen Dingen als nach der Bewegung der Uhrzeiger. Der König allein bestimmt die Dauer meines Aufenthaltes und wann mich einer der königlichen Helikopter wieder zurück nach Kathmandu bringen wird. Dieser Aspekt war allerdings weniger verlockend. Es war mir einfach nicht möglich, monatelang unserem damals noch jungen Geschäft fernzubleiben. Dafür zeigte Herr von Schulthess volles Verständnis und ich hoffte auch König Wangchuk, den ich keinesfalls beleidigen wollte. Wir fanden eine andere Lösung:

Als persönlicher Freund war Fritz von Schulthess zu den bevorstehenden Krönungsfeierlichkeiten des damals erst 17- jährigen Sohnes Jigme Singye Wangchuk eingeladen.

Er reiste zwei Monate später ohnehin nach Bhutan und wir beauftragten eine Speditionsfirma mit dem nicht sehr einfachen Transport der Kiste via Rotterdam nach Indien und weiter nach Kathmandu. Dort kümmerte sich Herr von Schulthess darum und sie flog mit dem gleichen königlichen Helikopter wie er weiter nach Thimbu, der Hauptstadt von „Druk Yul“, wie das Reich des Donnerdrachens in der Landessprache heisst.

Das alles liegt nun schon 35 Jahre zurück. Königsvater Singyle Wangchuk ist vor etwa 10 Jahren verstorben. Sein Sohn, der heute 51-jährige Herrscher hat sein Land in ein lebendes Museum verwandelt, um die Gefahr von Überfremdung und Identitätsverlust zu bannen. Die alte Kultur des Drachenvolkes von der Sprache über die Kleidung bis zur Architektur wurde in den 80-er Jahren gesetzlich festgeschrieben und er erklärte den Erhalt der atemberaubenden Natur zur nationalen Aufgabe und Verantwortung. Ein Staat nach dem anderen erlag der Versuchung, die Natur schonungslos auszubeuten. Einzig Bhutan, auf dem Dach der Welt dem Himmel am nächsten, kennt noch paradiesische Zustände, wenn man der Schwärmerei der nur etwa sechstausend Touristen, welche dieses wunderbare Land jährlich bereisen dürfen, Glauben schenken darf. Fortschritt ja, aber nicht um jeden Preis, hiess die Devise des Herrschers.

Zur Feier seines 25-jährigem Regierungsjubiläums begann das staatliche Fernsehen zu senden, Satelliten-Fernsehen wurde erlaubt und das Land ans Internet angeschlossen. König Jigme Singye Wangchuk machte das Tor zur Welt auf, aber nur einen Spalt breit. Er entmachtete sich sogar selbst, indem er die politischen Tagesgeschäfte in Ministerhände legte. Ganz behutsam will er das buddhistische Königreich in eine Demokratie verwandeln und hat die mit 34 Artikeln wohl kürzeste Verfassung der Welt ausgearbeitet, Damit will er nicht nur dem Volk ein gewisses Mitspracherecht geben, sondern auch die Entwicklungshilfe der UNO sicherstellen.

Die Weltgemeinschaft belächelte den Monarchen als Träumer, der selbstbewusst erklärte, „das Bruttosozialglück ist mir wichtiger als das Bruttosozialprodukt“, Obwohl seit 1971 UNO- Mitglied, hat sich Bhutan bis jetzt auch der Globalisierung entziehen können. Neben Fernsehschüsseln flattern Gebets- fahnen, Klöster erheben sich über Wasserkraftwerken, Mönche tippen Mantras in Computer und die Jugend trägt über Turnschuhen die Nationaltracht: Ein wollenes Wickelkleid, das bei Männern bis zum Knie und bei Frauen bis zum Knöchel reicht. Eine eigenartige, gegensätzliche Welt. Schulbildung und Krankenversorgung sind kostenlos und das Pro-Kopf- Einkommen liegt, gemessen an der Kaufkraft, mit etwa 1500 Dollar im Jahr so hoch wie sonst nirgendwo in Südostasien Das Strassennetz ist auch heute noch rudimentär und reicht längst nicht bis in alle Winkel des zerklüfteten Landes. Die Hauptstadt Thimbu, 2350 Meter über dem Meer gelegen, kommt ohne Verkehrsampeln aus. Der König versteht sich als Verteidiger des tibetanischen Buddhismus, der mit Kultur und Brauchtum des Landes eng verwoben ist. Seine Untertanen nennen ihn erfurchtsvoll „den Erleuchteten“. Die hoch über Thimbu thronende Klosterburg ist das geistliche Zentrum des Landes und dient ihm als Regierungssitz. Er ist mit vier Schwestern verheiratet und Vater von zehn Kindern. Erst kürzlich hat er seine Nachfolge mit der Machtübergabe an den ältesten Sohn Jigme Khesar Wangchuk geregelt.

In einem einmaligen religiösen Feldzug hat der Herrscher den Himalajastaat als erstes Land der Welt vom Zigarettenqualm befreit. Seit Neujahr 2005 sind in diesem Land keine Zigaretten mehr erhältlich und das Rauchen ist in der Öffentlichkeit verboten. In seiner unermesslichen Klarheit sah er diabolische Kräfte am Werk, als blauer Dunst aus der Unterwelt in Bhutans dünner Luft gegen die eisigen Gipfel des Himalaja aufstieg und die Götter grollten. Böse Dämönen und dunkle Geister befanden sich offenbar auf dem Vormarsch, ihnen musste Einhalt geboten werden.

„Ein leuchtendes Vorbild wollen wir allen anderen Völkern sein“ verkündete der Herrscher feierlich. Es mag vielleicht Legende sein, dass der Mönchskönig, der Bhutan gründete, bereits 1629 das erste Tabakverbot der Welt verhängt haben soll. Die Welt- gesundheitsorganisation WHO jedenfalls lobte die Anti-Nikotin- Kampagne. Vielleicht ist Druk Yul, das Reich des Donner- drachens doch noch eines der letzten Paradiese dieser Erde ?

Nun hat der 26-jährige Jigme Khesar Wangchuk die Macht übernommen, ein weiterer Schritt in dem vom Vater vor 5 Jahren eingeleiteten Prozess, das Königreich im Himalaja in eine Demokratie umzubauen. Viele Bhutanesen reagierten zuerst ablehnend auf diese Pläne, eine Reise des Vaters durchs ganze Land konnte dann aber das Volk von der neuen Verfassung überzeugen. Er erklärte seinen Untertanen, „der Zeitpunkt, meine Verantwortung abzugeben, ist gekommen, Bhutan steht eine helle Zukunft unter der Führung des neuen Königs und einem demokratischen Regierungssystem bevor“.

***

Eine Geschichte, die sich in unserer modernen, nüchternen Welt wie ein Märchen anhört. Oft denke ich etwas wehmütig zurück, damals die Chance meines Lebens verpasst zu haben, als ich die Einladung des Königs nicht angenommen habe. Der Gedanke, dass mit dem allerersten Auto, dem von unserer Firma gelieferten VOLVO 164 E die Motorisierung und damit ein neues Zeitalter in diesem unbekannten Land im Himalaja eingeleitet wurde, erfüllt mich auch ein wenig mit Stolz. Es war für Bhutan ein historisches Ereignis. Für mich war es ein unvergleichbares, einmaliges und eindrückliches Erlebnis, den damaligen König und Grossvater des heutigen Herrschers, Singyle Wangchuk persönlich kennengelernt zu haben.

Dezember 2006
Franz Palkoska

Hüsser & Palkoska AG

6 tage 24 protokoll vor

Mild-Hybrid oder Plug-in-Hybrid? 🔋 Volvo Hybrid-Modelle kombinieren klassische Motorentechnik mit moderner Elektromobilität. Doch welche Variante ist die richtige für Ihren Alltag? In unserem Blog zeigen

Hüsser & Palkoska AG

1 Woche 4 tage vor

🛞 Beim Wechsel von Winter- auf Sommerreifen schleichen sich leicht Fehler ein. Falscher Reifendruck, lockere Radschrauben oder eine falsche Montage – kleine Fehler mit grosser

Hüsser & Palkoska AG

1 Monat 11 std vor

Jetzt bestellbar: Der neue Volvo EX60. Er setzt neue Massstäbe im Premium-Elektrosegment: ⚡ Bis zu 810 km Reichweite ⚡ 340 km in nur 10 Minuten

Hüsser & Palkoska AG

1 Monat 1 Woche vor

⚡ Elektroauto zuhause oder unterwegs laden Elektroauto laden ist heute einfacher denn je, besonders mit einem Volvo. Dank Google Navigation, intelligenter Ladeplanung und Volvo Cars

Hüsser & Palkoska AG

1 Monat 3 Wochen vor

🔧 Autoservice in Baar – worauf es wirklich ankommt Ein regelmässiger Autoservice ist entscheidend für Sicherheit, Werterhalt und Zuverlässigkeit. In unserer Autowerkstatt in Baar führen

Hüsser & Palkoska AG

2 Monate 1 Woche vor

🚙 Occasion-Auto kaufen in Zug: Worauf es wirklich ankommt Ein Occasionskauf ist mehr als nur eine Preisfrage. Technik, Fahrzeughistorie, Garantie und Vertrag spielen eine entscheidende

Hüsser & Palkoska AG

2 Monate 2 Wochen vor

🚗 Ein Autokauf ist eine langfristige Entscheidung. Man sollte nicht nur Modell und Ausstattung vergleichen, sondern auch Unterhaltskosten sowie Kauf- oder Leasingoptionen realistisch einplanen. In

Hüsser & Palkoska AG

3 Monate 1 Woche vor

🔧 Moderne Technologie trifft bewährten Werkstattservice Digitale Diagnosen, smarte Wartung und innovative Reparaturtechnologien sorgen heute für mehr Sicherheit, Komfort und Effizienz – ganz gleich, ob

Hüsser & Palkoska AG

3 Monate 3 Wochen vor

⚡️ Die Zukunft fährt elektrisch – und Volvo ist ganz vorne mit dabei! Im neuen Blog zeigen wir dir, warum Volvo Elektro gerade so gefragt

Hüsser & Palkoska AG

4 Monate 2 Wochen vor

Ihr Polestar verdient Service auf höchstem Niveau. ⚡ Im Polestar Service Point bei Hüsser & Palkoska AG in Baar treffen modernste Technik, zertifizierte Expertise und